Die Pflegerentenversicherung ermöglicht eine private Absicherung des Pflegerisikos
Pflegezusatzversicherung

Pflege zu Hause: Leistungen der Pflegekasse

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Häusliche Pflege hat laut Gesetz Vorrang vor einer Versorgung in einer stationären Pflegeeinrichtung.
  2. Wenn ein ambulanter Pflegedienst ins Haus kommt, rechnet dieser direkt mit der Pflegekasse ab (Pflegesachleistung).
  3. Das Pflegegeld zahlt die Pflegekasse hingegen direkt an den Pflegebedürftigen aus. Beides kann auch kombiniert werden.
  4. Zusätzlich gibt es noch weitere Leistungen beispielsweise für Wohnungsanpassungen oder Hilfsmittel.

Privat und gesetzlich: Was zahlt die Pflegeversicherung?

Leistungen der Pflegeversicherung werden gewährt von:

  • den gesetzlichen Pflegekassen
  • privaten Versicherungsunternehmen auf der Basis eines Pflegeversicherungsvertrages
  • oder den Beihilfestellen.

Das Gesetz stellt sicher, dass die Leistungen der privaten Krankenversicherungen denen der gesetzlichen Pflegekassen entsprechen.

Die gesetzlichen Pflegekassen erbringen die Leistungen der Pflegeversicherung in der Regel als Sachleistungen, das heißt der Anbieter, z. B. ein Pflegedienst, rechnet direkt mit der Kasse ab.

In der privaten Pflegeversicherung wird an Stelle der Sachleistung eine Kostenerstattung gewährt.

Da die Pflegeversicherung laut Gesetz den tatsächlichen Bedarf nur teilweise abdeckt, müssen Pflegebedürftige mit eigenen Kosten rechnen. Wer eine finanzielle Bedürftigkeit nachweisen kann, kann aber bei den Sozialhilfeträgern Leistungen der Hilfe zur Pflege beantragen.

Die gesetzlichen Regeln des Pflegeversicherungsrechts legen fest, dass die häusliche Pflege Vorrang vor der stationären Pflege hat. Deshalb muss der Medizinische Dienst bei der Pflegebegutachtung auch prüfen, ob ein Anspruch auf Pflege im Heim besteht.

Ansonsten kann der Pflegebedürftige selbst bestimmen, welche Hilfeleistung er wählt, vorausgesetzt die Pflege ist sichergestellt.

Wie bekomme ich Leistungen der Pflegekasse?

Wer Leistungen der Pflegeversicherung erhalten will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Leistungsberechtigt sind Menschen, bei denen festgestellt wurde, dass sie pflegebedürftig sind. Der Umfang der Pflegebedürftigkeit wird seit dem 01.01.2017 in einem Pflegegrad festgehalten.

Wer schon vor 2017 eine Pflegestufe hatte, wurde ab Januar automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Wer bisher Leistungen der Pflegestufe 1 erhalten hat, bekommt also jetzt die Leistungen für Pflegegrad 2. Wenn zugleich eine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt, wird der übernächste Pflegegrad zuerkannt, also Pflegegrad 3.

Verbraucher müssen für die erstmalige Feststellung der Pflegebedürftigkeit einen Antrag bei ihrer Pflegeversicherung stellen. Sie müssen einen weiteren Antrag stellen, wenn sich der Pflegebedarf verändert hat. Für privat und gesetzlich versicherte Verbraucher gilt, dass ihre Krankenversicherung auch immer ihre Pflegeversicherung ist.

Häusliche Pflege: Was ist eine Pflegesachleistung?

Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die zuhause versorgt werden wollen, können “häusliche Pflegehilfe” als Sachleistung in Anspruch nehmen. Dies bedeutet, dass sie einen Pflegedienst mit den notwendigen Hilfeleistungen beauftragen können.

Wer in Pflegegrad 1 eingestuft ist, kann ebenfalls einen Pflegedienst beauftragen, muss dies jedoch weitgehend selbst bezahlen. Die Pflegekasse zahlt einen Zuschuss von 125 Euro als sogenannten Entlastungsbetrag. Dieser ist zweckgebunden und für ihn müssen Rechnungen vorgelegt werden. Das Gesetz regelt, dass Verbraucher Pflegesachleistungen nur von geeigneten Pflegekräften erhalten können, die Versorgungsverträge mit der Pflegekasse abgeschlossen haben. In der Regel sind dies Pflegekräfte, die bei einem ambulanten Pflegedienst angestellt sind, der wiederum mit der Pflegekasse einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben muss.

Die Pflegekräfte erbringen “körperbezogene Pflegemaßnahmen” (zum Beispiel Hilfe beim Waschen oder Essen) und “pflegerische Betreuungsmaßnahmen” (wie Spaziergänge, Vorlesen oder Haushaltstätigkeiten).

Pflegebedürftiger und Pflegedienst schließen einen Vertrag über Art, Inhalt und Umfang der Pflegeleistung ab.

Wie viel die Pflegeversicherung bei ambulanter Pflege bezahlt, hängt vom Unterstützungsbedarf ab. Die neuen Zuschüsse für Pflegesachleistungen, sind seit Januar 2017 teils deutlich gestiegen. Monatlich gibt es bei:

  • Pflegegrad 1: 125,00 Euro (nur als Kostenerstattungsbetrag)
  • Pflegegrad 2: 689,00 Euro
  • Pflegegrad 3: 1298,00 Euro
  • Pflegegrad 4: 1612,00 Euro
  • Pflegegrad 5: 1995,00 Euro

Häusliche Pflege: Was ist Pflegegeld?

Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die zu Hause von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn gepflegt werden, haben Anspruch auf Pflegegeld. Das Pflegegeld kann auf Antrag gewährt werden.

Das Pflegegeld wird monatlich gestaffelt, je nach Unterstützungsbedarf, an die pflegebedürftige Person gezahlt. Diese kann das Geld dann an die Helfer weitergeben.

  • Pflegegrad 2: 316,00 Euro
  • Pflegegrad 3: 545,00 Euro
  • Pflegegrad 4: 728,00 Euro
  • Pflegegrad 5: 901,00 Euro

Häusliche Pflege: Wann sind Kombi-Leistungen möglich?

Pflegebedürftige der Pflegestufen 2 bis 5, die die Pflegesachleistung nicht voll in Anspruch nehmen, können unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich Pflegegeld erhalten. Das Pflegegeld wird in Höhe des Prozentsatzes der nicht ausgeschöpften Pflegehilfe ausgezahlt.

Beispiel:
Ein Pflegebedürftiger des Pflegegrades 5 hat in einem Monat Sachleistungen über 798 Euro in Anspruch genommen, der Höchstbetrag liegt bei 1.995 Euro. Er hat somit 40 % der Sachleistung in Anspruch genommen. Damit stehen ihm noch 60% des Pflegegeldes in Höhe von 901 Euro zu, also 540,60 Euro.

Angebote zur Unterstützung im Alltag: Welche Zusatzleistungen gibt es?

Jeder Verbraucher mit festgestelltem Pflegegrad kann einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich beanspruchen. Höhere Leistungen können unter Umständen dann in Anspruch genommen werden, wenn schon 2016 ein Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 208 Euro bestand.

Mit dem Entlastungsbetrag können sich Pflegebedürftige Kosten, die sie für bestimmte Leistungen in der häuslichen Pflege ausgegeben haben, erstatten lassen. Dabei kommen beispielsweise Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung von Pflegenden oder Angebote zur Entlastung im Alltag in Frage.

Wann gibt es Zuschläge für ambulant betreute Wohngruppen

Anerkannt Pflegebedürftige, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben, haben neben dem Anspruch auf Pflegesachleistungen, Pflegegeld, Kombi-Leistungen oder auf den Entlastungsbetrag zusätzlich einen Anspruch auf einen pauschalen Wohngruppenzuschlag in Höhe von 214 Euro monatlich.

Mit dem Zuschlag sollen Aufwendungen für Betreuer finanziert werden, die allgemeine organisatorische, verwaltende, betreuende oder das Gemeinschaftsleben fördernde Tätigkeiten erledigen oder im Haushalt helfen. Falls teilstationäre Leistungen der Tages- oder Nachtpflege in Anspruch genommen werden sollen, muss der Medizinische Dienst der Krankenversicherung vorher die Notwendigkeit bescheinigen.

Verhinderungspflege: Welche Unterstützung gibt es bei Krankheit oder Urlaub der pflegenden Person?

Für Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 gilt: Wenn die private Pflegeperson wegen Urlaubs, Krankheit oder aus sonstigen Gründen ausfällt, übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Verhinderungspflege zu Hause für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr, höchstens jedoch bis zu einem Betrag in Höhe von 1.612 Euro. Wenn keine Mittel aus der Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurden, kann der Betrag auf bis zu 2.418 Euro erhöht werden. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen bereits sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung versorgt hat.

Was zahlen die Kassen für Pflegehilfsmittel?

Anerkannt Pflegebedürftige, die zuhause versorgt werden, können bei ihrer Pflegekasse einen Antrag auf sogenannte Pflegehilfsmittel stellen. Diese sollten die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbständigere Lebensführung ermöglichen. Eine ärztliche Verordnung ist nicht notwendig.

Es wird unterschieden zwischen Pflegehilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind, und technischen Pflegehilfsmitteln. Für die zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel (z.B. Inkontinenzvorlagen) werden bis zu 40 Euro monatlich übernommen, technische Hilfsmittel sollen vorrangig leihweise überlassen werden.

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Welche Zuschüsse gibt es für einen Wohnungsumbau?

Ist ein Wohnungsumbau notwendig, um die häusliche Pflege zu ermöglichen, zu erleichtern oder um eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederherzustellen, können Pflegebedürftige bei der Pflegekasse einen Zuschuss beantragen. Möglich sind bis zu 4.000 Euro, und zwar unabhängig vom Pflegegrad. Denkbar sind etwa Türverbreiterungen, der Einbau einer Rampe oder eines Treppenliftes sowie der Umbau des Badezimmers. Wenn aufgrund einer veränderten Pflegesituation weitere Maßnahmen erforderlich werden, können Verbraucher einen neuen Zuschuss von maximal 4.000 Euro bei ihrer Pflegekasse beantragen

Welche weiteren Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

  • Tages- oder Nachtpflege:
    Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 können teilstationäre Pflege in einer Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege beanspruchen, zusätzlich zum ungekürzten Pflegegeld. Die Leistung muss bei der Pflegekasse beantragt werden. Sie kommt insbesondere für Pflegebedürftige in Betracht, die während der Abwesenheit ihrer Pflegeperson(en) nicht allein bleiben können, ansonsten jedoch zu Hause versorgt werden. Die Ansprüche bestehen monatlich in folgender Höhe:
    • Pflegegrad 2: 689,00 Euro
    • Pflegegrad 3: 1298,00 Euro
    • Pflegegrad 4: 1612,00 Euro
    • Pflegegrad 5: 1995,00 Euro

    Personen mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag für die Finanzierung der Tages- und Nachtpflege anteilig nutzen.

  • Kurzzeitpflege:
    Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die für einen begrenzten Zeitraum auf vollstationäre Pflege angewiesen sind, können die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Sie kommt unter anderem bei Krisensituationen in Frage. Ein typischer Fall ist die Überbrückung einer Übergangszeit nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn in der Wohnung des Pflegebedürftigen Umbaumaßnahmen notwendig sind oder die Pflegeperson noch nicht sofort übernehmen kann.
  • Der Anspruch auf Kurzzeitpflege ist auf acht Wochen pro Kalenderjahr beschränkt. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten der allgemeinen Pflegeleistungen bis zu einem Betrag von 1.612 Euro im Jahr. Sofern Mittel aus der Verhinderungspflege noch nicht in Anspruch genommen wurden, kann der Betrag für die Kurzzeitpflege auf bis zu 3.224 Euro erhöht werden.Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 können den Entlastungsbetrag für Leistungen der Kurzzeitpflege einsetzen.

 

Vielen Dank an die Verbraucherzentrale

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